
Ein Bild ist mehr als das, was man sieht.
Warum ich oft erklären muss, was ich nicht mache.
Seit über 25 Jahren mache ich künstlerische Aktfotografie.
Nicht als Projekt. Nicht aus Zufall. Sondern weil ich es gern mache. Und weil das bis heute so geblieben ist..
Trotzdem muss ich mich oft erklären. Oder besser gesagt: abgrenzen. Denn das, was heute oft unter „Aktfotografie“ läuft, hat mit dem, was ich mache, wenig bis überhaupt nichts zu tun.
Da zieht sich jemand aus, jemand hält die Kamera drauf – und nennt das dann Aktfotografie. Kein Gefühl für Licht, keine Idee vom Bild. Nur nackt, weil man glaubt, das reicht. Aber das tut es nicht. Nicht für mich.
Ich fotografiere keine Körper. Ich fotografiere Situationen.
Klar interessiert mich der Körper. Sonst würde ich was anderes fotografieren. Aber er steht nicht im Mittelpunkt. Es geht um mehr. Um das, was zwischen zwei Menschen passiert. Er ist Teil des Bildes – nicht das Bild selbst. Was mich wirklich interessiert, ist der Moment. Die Spannung. Dieses kleine Stück Unsicherheit, Nähe oder Stille, das manchmal plötzlich zwischen zwei Menschen auftaucht. Viele dieser Bilder habe ich auch in meinen Büchern zur erotischen Fotografie versammelt – nicht, weil sie perfekt sind, sondern weil sie echt sind.
Wenn ich beim Fotografieren merke, dass gerade etwas passiert, dass etwas kippt oder entsteht, dann weiß ich: Jetzt lohnt es sich, genau hinzuschauen.
Dann entstehen meistens auch die Bilder, die bleiben. Nicht unbedingt die perfekten – aber die echten. Das sieht man auch in der SIGNED.FRAMED.ICONIC-Serie: kleine, gerahmte Bilder, reduziert auf das Wesentliche – auf den Moment, nicht auf die Pose.
Und manchmal sehe ich das alles erst viel später. Ein halbes Jahr, ein Jahr später. Plötzlich sticht ein Bild heraus, das ich beim ersten Durchsehen fast übersehen hätte. Weil sich manches erst mit Abstand zeigt.
Manche dieser Bilder veröffentliche ich nicht sofort – oder gar nicht im Shop. Auf Patreon zeige ich Serien, die etwas persönlicher sind. Ungeschönt, manchmal roh, aber immer echt.
Ich mag nicht im Studio arbeiten
Ich brauche echte Orte. Kein Samt, keine griechischen Säulen, keine Blumenfelder. Und keine sterile Hohlkehle, bei der es keine Ecken, keine Kanten, keine Atmosphäre gibt. Ein weißer Hintergrund kann alles und nichts sein – aber meistens ist er einfach nur leer.
Natürlich gibt es auch starke Aufnahmen, die genau dort entstehen. Ich spreche hier nur für mich, kann ja auch nur für mich sprechen, aber ich brauche Räume, die mich herausfordern. Ein Großteil der Arbeiten aus der Collector’s Edition ist genau an solchen Plätzen entstanden – in verlassenen Häusern, fremden Wohnungen, Hotelzimmern. Orte mit Geschichte, nicht mit Deko.
Ein anderer hasst es vielleicht, on Location zu arbeiten – für mich ist es genau das, was mich beim Fotografieren wach hält.
Ein Fenster, ein rauer Boden, ein Sessel, der schon bessere Tage gesehen hat – mehr braucht es oft nicht.
Wenn ich zum zehnten Mal am selben Ort bin, merke ich, wie sich die Bilder wiederholen. Nicht automatisch schlechter, aber erwartbar.
Ein neuer Ort verändert meine Art zu fotografieren.
Ich gebe nicht vor. Ich arbeite mit.
Ich mag es, wenn das Model mitdenkt. Wenn es nicht nur ausführt, sondern Teil des Prozesses wird. Wenn es sich bewegt, ausprobiert, etwas einbringt.
Für mich ist ein gutes Shooting kein Ein-Mann-Theater, sondern etwas Gemeinsames. Ich habe kein fixes Drehbuch im Kopf. Ich beobachte. Ich reagiere. Und ich lasse zu, dass etwas entsteht, das ich vorher nicht geplant hatte.
Ich sage nicht: „Mach das so, weil ich es will.“ Klar habe ich eine Vorstellung, aber die besten Bilder entstehen oft dann, wenn diese Vorstellung in Bewegung gerät.
Wenn etwas Unerwartetes passiert. Wenn das Model sich nicht fragt: „Was will er von mir?“, sondern: „Was kann ich selbst beitragen?“
Dann wird es interessant. Dann wird’s echt.
Gute künstlerische Aktfotografie ist Zusammenarbeit – nicht Regieanweisung.
Ich habe klare Grenzen
Mein Fokus: Authentische Aktfotografie ohne Kompromisse. Aber es wird nie Porno. Wobei: Was genau ist eigentlich Porno? Da hat jeder seine eigene Grenze.
Für mich ist klar, wo meine liegt.
Ich zeige Nähe – aber keine expliziten Handlungen. Oft ist es sogar reizvoller, wenn etwas verborgen bleibt. Wenn man spürt, dass da etwas ist – ohne dass man alles sieht.
Und natürlich sehe ich beim Fotografieren manchmal mehr, als später auf den Bildern zu sehen ist. Aber eines ist für mich selbstverständlich: Wenn eine Pose zu viel zeigt, drücke ich nicht einfach ab. Dann sage ich es dem Model. Das ist ein Grundsatz.
Weil Vertrauen nur funktioniert, wenn man es nicht ausnutzt.
Ich arbeite mit Models, die das verstehen.
Und damit es gar nicht erst zu Missverständnissen kommt, gibt es einen Vertrag. Vor dem Shooting. Alles ist geklärt: Was gezeigt wird, was nicht. Was mit den Bildern passiert, wo sie erscheinen. Das hat nichts mit Bürokratie zu tun, sondern mit Respekt.
Und wenn jemand merkt, dass das nicht passt – dann passt es nicht.
Ganz einfach.
Es gibt Bilder, die wirken – und Menschen auch
Einige der besten Serien sind mit Models entstanden, mit denen ich jahrelang immer wieder gearbeitet habe. Da wächst etwas. Man kennt einander. Man weiß, wie der andere tickt. Die besten Bilder entstehen oft nicht beim ersten Shooting, sondern beim dritten oder fünften. Wenn das Vertrauen da ist. Wenn keiner mehr etwas beweisen muss. Und genau das sieht man den Bildern an.
Drei Namen stehen für mich exemplarisch dafür: Ana-Andreea, Dorka und Noemi.
Mit ihnen habe ich nicht nur eine Serie fotografiert, sondern über Jahre hinweg immer wieder zusammengearbeitet. Da war von Anfang an eine gewisse Offenheit da – Vertrauen, Sympathie, eine gemeinsame Sprache ohne viele Worte.
Und auch wenn wir manchmal ein Jahr lang nicht geshootet haben: Beim nächsten Treffen war es, als hätten wir erst letzte Woche zusammen fotografiert.
Man merkt, dass da mehr dahintersteckt als ein einmaliges Shooting. Mehr als eine normale Arbeitsbeziehung. In den Bildern ist eine Verbundenheit spürbar – nicht inszeniert, nicht betont, einfach da. Eine von den dreien nennt mich übrigens regelmäßig „leicht verrückt“.
Was sie nicht dazusagt: Sie ist es genauso;-)
Was bleibt, ist das Bild.
Aktfotografie ist für mich kein Konzept. Sie entsteht im Moment. Nicht im Kopf, nicht auf dem Papier. Wenn etwas da ist, das trägt – dann wird es ein Bild.
Und wenn nicht, bleibt es leer.



