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Fotoreise nach Sizilien – Fine Art Aktfotografie mit natürlichem Licht
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Meine erste Fotoreise nach Sizilien – mit Kamera, Chaos und einem Hauch von Kino

Ein Geschenk mit eigenem Titel

Es war ein Geschenk. Kein Wellnessgutschein, kein Städtetrip – sondern ein einwöchiger Trip nach Sizilien, gebucht von Freunden, mit dem vielversprechenden Titel: Shooting am Strand mit Hasen ohne Gewand. Ich wollte ohnehin weg. Fotografieren, den Kopf freikriegen, neue Orte sehen, ohne Plan, aber mit Kamera. Früh aufstehen, spät schlafen, unterwegs sein. Bilder machen, die in Erinnerung bleiben. Die Fotoreise nach Sizilien kam genau zum richtigen Zeitpunkt.

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Fünf Models waren gebucht. Zwei sagten kurzfristig ab – offiziell krank. Blöderweise posteten beide am selben Tag fröhlich glitzernde Partyfotos auf Facebook. Wir hatten dann eben einen Tag frei. Auch gut. Das Geld für die Flüge in den Sand gesetzt – tut weh. Die beiden haben natürlich nie wieder einen Job von mir bekommen.

Verliebt in der Bar, verloren beim Abendessen

Die anderen drei kamen – und das reichte vollkommen. Wir wohnten in einer kleinen Absteige mit Putzrissen, Charme und einer Bar nebenan, in der das erste Model binnen Stunden sämtliche Italiener um den Verstand gebracht hatte. Als ich eintraf, war ich offensichtlich der Störenfried in einem romantischen Dorfdrehbuch. Die Ciao-Ciao-Bar mochte mich nicht – zumindest anfangs. Später war alles perfekt, vor allen Dingen weil dann noch 2 andere Models mit waren;-)

Am ersten Abend gingen wir essen. Draußen warm, innen laut. Alles roch nach Fisch, Knoblauch, Espresso und dieser Mischung aus Diesel und Meersalz, die nur in Süditalien gut riecht. Ich hatte mein gesamtes Bargeld dabei – das wollte ich nicht im Zimmer lassen. Statt in einer Geldbörse steckte es in einem abgefuckten Sparkassa-Papiersackerl. Und genau das rutschte mir irgendwann aus der Hosentasche und fiel unter den Sessel. Ich bemerkte nichts. Schlief ein. Wachte um halb sechs in der Früh auf – mit diesem einen klaren Gedanken: Scheiße. Wo ist mein Geld.

Ich bin den ganzen Weg zurück, mit der Handytaschenlampe, durch das noch dunkle Sizilien. Und da lag es. Unberührt. Es lag noch immer am selben Ort – die Putzkolonne war noch nicht vor Ort. Hätte ich eine Geldtasche gehabt wäre sie weg gewesen. Aber niemand stiehlt ein zerknittertes Papiersackerl. Auch das ist Dolce Vita. Sonst hätte ich Probleme gehabt – ich hätte keine Modelhonorare bezahlen können, kein Essen, keine Unterkunft.

Staub, Licht und 40 Grad

Wir hatten zwei Mietautos, eine Visagistin und einen Guide dabei, der in Sizilien gefühlt jeden zweiten Menschen mit Handschlag begrüßte. Gemeinsam fuhren wir durch die Gegend: Taormina, Castello Normanno, Savoca, Palazzo Biscari ( wo auch Coldplay mal ein Video gedreht haben ). Es war heiß, laut, staubig. Und wunderschön. Wir fotografierten von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang, mittags nur ein paar Sandwichs. Dazwischen: Meer, Felsen, Sand, Zigarettenpausen. Am Abend Limoncello – einmal viel zu viel , gutes Essen, müde Beine.

Der schlimmste Tag? Der kam nach dem heftigsten Abend. Irgendwann war ein Glas zu viel, irgendwann war die Nacht vorbei – und plötzlich war es sechs Uhr früh. Und wir standen wieder mit der Kamera in der Hand. Das Licht war magisch, die Augen klein. Und dann, mittags, ging es bei knapp 40 Grad auf das Castello Normanno. Mit vollem Equipment. Kein Schatten, kein Wind, nur Sonne, Steine, Schweiß. Es war ein Horror. Und es war großartig. Genau so hatte ich mir meine Fotoreise nach Sizilien vorgestellt: intensiv, unberechenbar, voller Bilder und Geschichten.

Wir fotografierten in einer Schlucht, am Strand, in Gassen, zwischen verfallenen Mauern. Ich hatte keinen Plan im klassischen Sinn, aber ein Gefühl, dem ich gefolgt bin. Und das hat gereicht.

Fünf Minuten Ewigkeit in Bar Vitelli

Und dann: Bar Vitelli. Ein Ort wie aus der Zeit gefallen, bekannt aus Der Pate, mit Fotos von Marlon Brando an den Wänden und Touristenbussen vor der Tür ( anscheinend hatte auch andere eine Fotoreise nach Sizilien gebucht;-)). Zwei davon standen gerade dort, als wir ankamen. Ich dachte: Das wird nichts. Aber mein Guide redete mit dem Besitzer. „Fünf Minuten? Kein Problem.“

Wir warteten, bis die Busse abfuhren. Die Bar war leer. Ich sagte zum Model: Schnell. Zieh dich aus. Stell dich rein. Wir hatten genau fünf Minuten. Der Cousin von meinem Guide, der uns an diesem Tag assistiert hat, wurde als Statist engagiert. Das Holzgewehr, dass neben der Tür angelehnt war, nahm ich auch gleich mit auf’s Foto. Wir Fotografierten wie im Rausch. Und als der nächste Bus vorfuhr, war alles wieder wie vorher. Nur die Bilder waren neu.

Was bleibt

Es war meine erste große Fotoreise. Und vielleicht die freieste Woche meines Lebens. Kein Plan, kein Studio, kein Sicherheitsnetz. Nur Licht, Haut, Hitze und ein bisschen Glück. Dolce Vita eben. In fünf Minuten. Und manchmal für immer.

Viele der Bilder sehe ich mir heute noch gern an. Nicht nur wegen der Models oder des Lichts – sondern weil sie diesen Moment festhalten, als alles neu war, offen, unbequem und ehrlich. Und weil sie mich daran erinnern, warum ich überhaupt fotografiere.

Und viele dieser Aufnahmen leben weiter:
in der Collector’s Edition,
in SIGNED.FRAMED.ICONIC.,
in meinen beiden Fotokunst-Bildbänden,
und auch in der Serie Modern Madonnas – überarbeitet, übermalt, manchmal bis zur Unkenntlichkeit, aber immer mit dem Blick von damals.

Und rückblickend war diese Fotoreise nach Sizilien vielleicht der Moment, in dem aus Bildern eine Richtung wurde – und aus einem Geschenk ein Anfang.

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